Ernst May heuteBornheimer Hang, Wittelsbacher Allee und Seitenstraßen Die Siedlung Bornheimer Hang entstand in den Jahren 1926-30 nach einem Gesamtplan von Ernst May unter Mithilfe von Herbert Boehm. Sie umfasst insgesamt etwas 1540 Wohnungen, vor allem 2- und 3-Zimmer-Wohnungen (55 resp. 65m2), ausgestattet mit Frankfurter Küche und Zentralradio; Bauherr war die Aktiengesellschaft für kleine Wohnungen. Neben Ernst May waren an der architektonische Bearbeitung und Umsetzung außerdem Carl Herrmann Rudloff und Adolf Aßmann beteiligt, die Heilig- Kreuz-Kirche (1929) wurde von Martin Weber entworfen, die Gestaltung der Grünanlagen übernahmen Max Bromme und sein Mitarbeiter Ulrich Wolf. Im Unterschied zu den zeitnah konzipierten Wohngebieten von Praunheim (ebenfalls ab 1926) und der Römerstadt (ab 1927) schloss die Bornheimer Siedlung zeitlich und räumlich unmittelbar an eine bereits bestehenden Architektur an: Der Stadtteil Bornheim, 1877 eingemeindet, war erst kurz zuvor mit einer traditionellen Blockbebauung längs der Wittelsbacher Allee und Saalburgallee zum nordöstlichen Stadtrandgebiet von Frankfurt geworden. Auf diese spezifische Situation nahm May in seiner Planung Bezug, und zwar sowohl in der Gesamtraumplanung (z.B. mit den zentralen Strassenachsen) als auch in der Bauweise (so entstanden im ersten Bauabschnitt 1926/27 am westlichen und östlichen Pestalozziplatz ganz May-untypisch und bedingt durch die alte Bebauungsordnung Häuser mit Steildach); die Siedlung gewann durch diese Elemente und ihre überwiegend mehrgeschossige Bebauung fast einen Çgroßstädtischen Charakter. Doch noch ein anderer Aspekt bestimmte die Siedlungsplanung von Anfang an ganz wesentlich mit: die spezifische topographische Struktur des Geländes. Im Osten endet das Gebiet mit dem Abhang zum Riederbruch, wodurch der Bornheimer Hang eine doppelte Panoramastruktur gewinnt einerseits gibt es den Blick aus der Siedlung in das (damals fast unbebaute) Land, andererseits den Blick aus der Ferne auf die bebaute Hangsilhouette. Beide Aussichten wurden von May und seinen Mitarbeiter bewusst in die Architektur der Siedlung integriert, und mit der Heilig-Kreuz-Kirche erhielt die Anlage einen Akzent, der bewusst auf Fernwirkung angelegt ist. Der Hang selbst blieb unbebaut, denn er sollte als Freifläche zur Erholung und als Nutzfläche (in Form von Kleingärten) zur Eigenversorgung für die Bewohner der Siedlung dienen. Zentrale Achse der Siedlung ist die nach Nordosten fortgesetzte Wittelsbacher Allee, deren breite Strassenanlage beidseitig von drei- und viergeschossigen Wohnblöcken gerahmt wird. Eine asymmetrisch angelegte Bepflanzung markiert die Doppelfunktion der nördlichen Strassenseite als Fußweg und Marktplatz und verdeutlicht zugleich die Bedeutung, die May und seine Mitarbeiter der Gestaltung und Nutzung des öffentlichen Raumes zumaßen. Die Architektur illustriert hier anschaulich einen neuartigen Ansatz in der Stadtplanung, bei der Funktion und Nutzung an erster Stelle stehen (siehe dazu die von Herbert Boehm formulierten Thesen in der Zeitschrift Das Neue Frankfurt, 1926/27, Heft 5, S.108). Während nach Nordwesten von der Wittelsbacher Allee einzelne Wohnstrassen abzweigen, schliesst sich an der Südostseite ein Wohnblock an, der im Inneren eine überraschend niedrige, kleinteilige und von Grünflächen durchzogene Architektur Çbeherbergt. Geschickt werden hier zwei unterschiedliche Wohnsituationen (Mehrfamilien- und Einfamilienhaus) kombiniert und durch die Form des Wohnblocks nach Aussen zugleich in das urbane Umfeld integriert. Markantester Einzelbau innerhalb der Siedlung am Bornheimer Hang ist die Heilig-Kreuz- Kirche von Martin Weber. Der Architekt war als Sieger aus einem 1927 ausgeschriebenen Wettbewerb hervorgegangen und sollte in den Folgejahren noch weitere Kirchen und Kapellen in Frankfurt realisieren (so beispielsweise die Christkönigkirche in Praunheim, 1930; von Weber stammt auch die bereits 1926/27 realisierte St. Bonifatius-Kirche in Sachsenhausen). Sein Entwurf musste eine Vielzahl von Vorgaben berücksichtigen, zu denen u.a. die vorgeschrieben Stellung der Kirche (Turmfront zur Wittelsbacher Allee) gehörte. Weber entschied sich für eine Stahlskelettkonstruktion, die durch eine grosse Freitreppe seitlich zugängig gemacht wird. Der unerwartet niedrige, beinahe romanisch anmutende Innenraum kontrastiert für den Besucher mit dem auf Fernwirkung angelegten, fast überwältigend hoch wirkenden Turmhaus (25m), dessen Monumentalität durch die stark stilisierte Bauplastik von Arnold Hensler noch gesteigert erscheint. Die Kirche wurde 1944 stark beschädigt und verlor dabei u.a. ihre markanten Glasfenster mit Schriftzügen; 1951 wurde sie von dem Architekten Harald Greiner wieder instandgesetzt. |
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