Ernst May heuteSiedlung Westhausen Gesamtplanungs- und Bauzeit: 1929 - 1931
Städtebaulicher Entwurf Entgegen dem städtebaulichen Entwurf der Siedlung "Römerstadt", der sich an der topographischen Situation des Niddatals orientiert, ist Westhausen eine akademische Planung. Sie ist vergleichbar in Anordnung und Größe mit dem westlichen Siedlungsteil von Praunheim, der nördlich der Siedlung Westhausen liegt. Die Siedlung war sehr günstig über das öffentliche Nahverkehrsnetz mit der Tram Nr. 2, heute der U 6, an die Kernstadt Frankfurt angeschlossen. Geschichte Westhausen ist die letzte der Siedlungen, die im Rahmen der Wohnungsbautätigkeit der May-Ära, dem Neuen Frankfurt, entstanden ist. Baubeginn war der 15. September 1929. Innerhalb von vier Jahren wurden in zwei Bauabschnitten mit zu je 426 und 690 Wohneinheiten Kleinstwohnungen im Reihenhaus und im Geschossbau als Laubenganghaus fertiggestellt. Planung und Verwaltung Ernst May war 1925 durch Oberbürgermeister Ludwig Landmann als Stadtbaurat eingesetzt und mit der Leitung des Wohnungsbauprogramms und des Generalbebauungsplans betraut worden. In das neu organisierte Amt bestellte Ernst May als wichtigste Mitarbeiter Wolfgang Bangert, Eugen Blanck, Herbert Boehm, Emil Kaufmann und Ferdinand Kramer sowie die selbständig arbeitenden Architekten Otto Fucker und Franz Schuster. Die Architekten Kaufmann und Boehm hatten einen Wettbewerb in Berlin Haselhorst gewonnen, indem sie ein Erschließungssystem vorgeschlagen hatten, wie es dann auch in Westhausen zum Einsatz kam. Ihre Berechnungen hatten die Wirtschaftlichkeit des vorgeschlagenen Systems überzeugend dargestellt und darüber hinaus allen Wohnungen der Reihenhäuser die gleichen Standortbedingungen garantiert. Die Planer mussten mit einem knappen Etat ihre Aufgabe erfüllen und entschlossen sich zur Übernahme des Planungssystems dieses Wettbewerbs: ein Raster aus senkrecht zu den Hauptstraßen (Kollwitzstraße im Westen und Zillestraße im Osten) verlaufenden, anbaufreien Wohnstraßen und parallel zu den Hauptstraßen verlaufenden Wohnwegen mit einhüftigen Anbauten. Zwischen je zwei der anbaufreien Erschließungsstraßen wurden zwei Reihenhausbänder mit je sieben Häusern an den schmalen Wohnwegen gebaut. Sie bilden Hausgruppen. Dazwischen liegt jeweils ein senkrecht verlaufender Grünzug. Er ist genau doppelt so breit wie die Erschließungsstraßen. In diesem Grünzug, der mit dem seinerzeit aktuellen Baumtyp, der Birke, und an beiden Enden mit Walnussbäumen in freier Anordnung bepflanzt wurde, sind heute eine Anzahl von modernen Kinderspielplätzen eingestreut. Die später gepflanzten Büsche und Bäume entsprechen nicht dem ursprünglichen Bepflanzungsplan. Das Erschließungs- und Bausystem liefert bei aller Einfachheit und Gradlinigkeit durch seinen großen Grünflachenanteil ein behagliches Wohnumfeld, das einen hohen Anmutungswert für die dort Wohnenden darstellt. Bauweise und Ausstattung der Wohnungen Die Häuser sind in traditioneller Ziegelbauweise errichtet worden. Nur zwischen der Stephan-Heise-Straße, der Hanna-Kirchner-Straße und dem parallel dazu verlaufenden zweiten Grünzug sind sie mit Elementen der Frankfurter Plattenbauweise errichtet - eine der damals bestaunten Entscheidung des Neuen Frankfurts zum schnellen und preiswerten Bauen: In dieser Art wurden ab 1929 im zweiten Bauabschnitt 189 Häuser mit 378 Wohneinheiten errichtet, was etwa 25 % der kompletten Baumaßnahme ausmacht. Für die gesamte Baumaßnahme hatte das Frankfurter Hochbauamt Normblätter entwickelt. Die doppelgeschossigen Reihenhäuser waren ursprünglich für eine Familie konzipiert. Um Mietkosten zu sparen, wurde das Haus jedoch als Zweifamilienhaus-Typ gebaut, der so genannte ZwoFa-Typ. Diese Übergangskleinstwohnungen verfügten über drei Zimmer, ein Bad mit Warmwasserofen und WC sowie einem zentral gelegenen Ofen, der als "Kramerofen" in die Baugeschichte Frankfurts eingegangen ist. Die 40 qm und 42 qm großen Wohnungen waren nicht mit einer üblichen Wohnküche, sondern mit einer modernen Einbauküche, der so genannten "Frankfurter Küche", ausgestattet. Das Hausachsmaß war mit 7.50 m ungewöhnlich breit im Vergleich mit dem typischen Reihenhaus von heute. Die Wohnungen in den Laubenganghäusern besaßen einen ähnlichen Zuschnitt, waren aber mit Zentralheizung ausgestattet. Die Einrichtungsgegenstände für diese Kleinstwohnungen wurden in der "Städtischen Hausrats GmbH" hergestellt. Die Entwürfe stammten von Franz Schuster und Ferdinand Kramer, nach einem 1925 gewonnenen Wettbewerb. Das Konzept hieß seinerzeit "Erziehung der Bevölkerung zur Einfachheit und Gediegenheit". Je zwei Häuser hatten im Außenbereich einen paarweise angeordneten Hauseingang mit Podest, Fußabstreifer, Briefkasten sowie gemeinsamem Rankgerüst mit Pflanztrog und einer Pergola-Überdachung (teilweise nach dem 2. Weltkrieg bei Renovierungsarbeiten durch "moderne" Einbauten mit Sichtschutz ersetzt). Grünplanung Den Wohnreihenhäusern sind neben dem Grünstreifen am Haus und dem Fuß-Erschließungsweg eine vier Meter tiefe Rasenfläche mit Trockenständern für Wäsche vorgelagert. Die Grünfläche zwischen dieser Zone und dem Hausgarten der Erdgeschosswohnung der gegenüberliegenden Häuserreihe ist die Gartenfläche, die der Wohnung im oberen Geschoss zugeordnet ist. Die Grünflächen wurden ursprünglich mit niedrig wachsenden Sträuchern bepflanzt, Hecken trennten die Parzellen. Heute stehen dort atypische, hochwachsende Bäume. Unzählige Gartenhäuschen und Geräteschuppen in verschiedener Ausformung wurden mittlerweile errichtet. Der für heutige Verhältnisse im Reihenhausbau ungewöhnlich hohe Anteil an Grünflächen veranlasst die Bewohner, die Häuser zu erwerben - meist beim Wechsel der Generationen. Zu Beginn des Siedlungsbaus lebten hier auf 41 qm Grundrissfläche je Etage bis zu 8 Personen. Heute werden beim Kauf die beiden Wohnetagen zu einer Wohnung zusammengefasst. Erst jetzt - nach 70 Jahren - wird die ursprünglich angestrebte Wohnungsgröße erreicht. Bewohnerstruktur Zur Zeit des Neuen Frankfurts lebten in der Siedlung vornehmlich Arbeiterfamilien: 1930 etwa 5.000 Bewohner, die überwiegend Parteimitglieder der SPD und der KPD waren und ein intensives gesellschaftliches Leben in der Siedlung unterhielten. Sie organisierten einen versteckten Widerstand gegen die herrschende NSDAP und erzwangen nach 1947 Namensänderungen der Straßen, die nach Widerstandkämpfern benannt wurden. Ausstattung mit Läden In der ursprünglichen Siedlung gab es keine Läden. In den Nachkriegsjahren richtete man in den Erdgeschosswohnungen mehrere Läden und Werkstätten ein. Heute gibt es nur noch einen Laden, einen Kiosk und einen gewerbetreibenden Laden mit Lager in dem "Zentralwaschhaus". Es wird nicht mehr als Waschhaus genutzt, aber sein Schornstein bildet einen optisch markanten Punkt im Südwesten der Siedlung. Die vielen im Laufe der Nutzung der Wohnanlage durchgeführten An- und Einbauten haben immer wieder zu Konflikten mit dem Denkmalschutz geführt, der sich bemüht, Einfluss zu nehmen. Das ursprüngliche "Gesicht" der Häuser und der Gesamtanlage soll bewahrt bleiben. Beispiele für diese Versuche sind die Häuser Zillestraße 42 bis 54. Die Entfernung von Einbauten, wie die für die Zwanziger Jahre untypischen Rolladenkästen und aufgedoppelten Haustüren, haben zu Ärgernissen und Konflikten mit den Benutzern geführt. In den 70er Jahren wurden die ursprünglichen, seriengefertigten Holzfenster mit schlanken Profilen durch Kunststofffenster mit breiteren Fensterrahmen ersetzt. Die Einzelhausanstriche sowie Einbauten aus Glas im Eingangsbereich in Teilen der Siedlung anstelle der einfachen begrünten Rankgerüste aus Stahlrohr entstellen das ursprüngliche Gesicht der Siedlung. Trotz der ungewöhnlich geringen Bebauungsdichte ist die Frage des Abstellens von Pkws nicht gelöst. Partielles Eingreifen der Bewohner führt zu Störungen des Siedlungsplanes. |
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