Ernst May heute

Siedlung Bruchfeldstraße (Zick-Zack-Hausen) und benachbarte Bebauung

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Die Siedlung Bruchfeldstrasse entstand zwischen 1926 und 1927 durch die Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen (ABG) als westlicher baulicher Abschluss des Stadtteils Frankfurt-Niederrad, im Jahre 1900 eingemeindet, nach Plänen von Ernst May und seinen Mitarbeitern Herbert Boehm (Gesamtplanung) und Carl Hermann Rudloff (Architektur).

Für das Gelände zwischen dem alten Ortskern von Niederrad im Osten und der Bahnlinie im Westen existierten bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts Bebauungspläne, die Straßenverläufe festlegten und eine Dreigeschossigkeit bei der Bebauung vorschrieb. Ernst May und seine Mitarbeiter übernahmen in ihre Planung die traditionelle Blockstruktur und die vertikale Fassadenaufteilung der vorhandenen Geschossbauten. Sie schufen aber eine völlig neue Siedlungsgestalt, die in ihrer vom Expressionismus geprägten kubischen Architektur im starken Kontrast stand zu der sie umgebenden Bebauung, die noch dem Heimatstil verbundenen war. Zum Wahrzeichen dieser neuen Siedlung wurde der zentrale Wohnblock, der wegen seiner gezackten Fassadenstruktur im Volksmund Zick-Zackhausen genannt wurde.

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Insgesamt wurden ca. 650 Wohneinheiten, vor allem 2- und 3-Zimmer-Wohnungen mit einer Größe von 56 m2 bzw. 65 m2 in Geschossbauten mit Flachdach in konventioneller Ziegelbauweise errichtet. Darunter waren auch 49 Reiheneinfamilienhäuser gleichen Grundrisstyps im Westen des Baugebietes nahe der Bahnlinie. Alle Wohnungen der Siedlung waren ausgestattet mit Bad, Frankfurter Küche, Zentralheizung und Zentralradio. Bei Einzug war von den Mietern ein einmaliger Anteil von 700-1200 Reichsmark(RM) zu zahlen. Mit Monatsmieten von 48-88 RM betrug die regelmäßige Belastung fast die Hälfte eines Arbeiterlohns, sodass die Erstmieter hauptsächlich Angestellte und Beamte waren. Die Mieter organisierten sich, wie zu dieser Zeit üblich, in einem Mieterverein und richteten gelegentlich Siedlungsfeste aus.

Der Wohnblock Zick-Zackhausen

Im ersten Bauabschnitt entstand zwischen den damals schon angelegten ost-westlich verlaufenden Straßenzügen Bruchfeldstraße und Breubergstraße ein zickzackförmiger beinahe geschlossener Wohnblock. Die Verschiebung der einzelnen Häuser um ca. 45 Grad bewirkt eine bessere Belichtung und Besonnung aller Wohnungen und hebt somit den Nachteil einer unerwünschten Nord-Süd-Orientierung der Wohnungen bei üblicher Blockrandbebauung auf. Die Bebauung wird gebildet durch Addition gleicher sog. 2-Spänner, d.h. symmetrischer Hausgrundrisse gleicher Größe, mit zentralem Treppenhaus zur Straße hin und zwei Wohnungen je Geschoss, was bei planungsrechtlich vorgeschriebenen 3 Wohngeschossen 6 Wohnungen pro Hauseinheit ergibt. Zu den Wohnungen gehören im Dachgeschoss sog. Zubehörkammern, die von den damaligen Mietern häufig untervermietet wurden, um die Mietkosten besser tragen zu können. Die Farbe des Blocks, wie der ganzen Siedlung, war vorwiegend weiß mit dunklen Fensterrahmen. Um die tatsächliche Höhe der neuen Bebauung optisch zu reduzieren ist der Sockelbereich und der Dachbereich dunkler abgesetzt. Das Erdgeschoss ist Geschoss hoch mit Kieselwaschputz ausgeführt und das Dachgeschoss mit einem farbigen Abschlussstreifen gestaltet. Wie auch in anderen Siedlungen der May-Ära gehören horizontale Fensterbänder im Wechsel mit senkrechten Treppenhausschlitzen und den doppelten Hauseingängen zum wesentlichen Merkmal der Fassadengestaltung. Teilweise werden Fenster durch farbige Gestaltung bis zu den Gebäudeecken optisch verlängert.

In den hier gebauten 3-Zimmerwohnungen, Wohnfläche 65 m2, sind alle Schlafräume zur Strasse orientiert, während sämtliche Küchen und Wohnzimmer, gleich welcher Himmelsrichtung, auf die Blockinnenseite liegen, was darauf hinweißt, dass dem Blockinnern eine besondere gesellschaftliche Rolle zugedacht war. Durch die Auffächerung des Blockinnenraumes werden Blickbeziehungen aus den Wohnungen auf das zentrale Gemeinschaftsgebäude im Osten hergestellt. Dieser Entwurf ist das einzige Beispiel des Neuen Frankfurt für eine zentralperspektivische Monumentalanlage, ausgerichtet auf ein Gemeinschaftshaus. Es ist auch das einzige realisierte Beispiel eines solchen Gebäudes in einer Maysiedlung.

Der Hauptzugang war ursprünglich im Westen am Melibocusplatz. Durch ein niedriges Torgebäude gelangte man an einem Planschbecken vorbei über einen zentralen mit Birken bestandenen Weg zum Zentralgebäude, indem mehrere Infrastruktureinrichtungen untergebracht waren. Neben der zentralen Heizungsanlage, gab es eine Zentralwäscherei, die mit den modernsten elektrischen Waschmaschinen ausgestattet war, und eine Zentralradioanlage. Des weiteren waren im gleichen Gebäude ein Kindergarten mit Kinderkrippe und Zweigstellen des Wohlfahrtsamtes und es Gesundheitsamtes untergebracht. Die Einrichtung des Kindergartens stammte, wie auch die meisten anderen Gemeinschaftseinrichtungen dieser Zeit, von dem Architekten Ferdinand Kramer. Das Blockinnere wurde besonders gärtnerisch gestaltet. Der Zickzack-Form der Gebäude folgend wurden Haus weise, durch Ligusterhecken abgetrennt, vier Nutzgärten für die Mieter des Erdgeschosses und 1. Obergeschosses sowie Spiel- und Bleichrasen angelegt. Die Bewohner des 2.Obergeschosses erhielten als Ausgleich einen Dachgarten, der im Neuen Frankfurt mehr als Freilichtwohnraum angesehen wurde und dem Sonnen diente. Obwohl der Innenhof von den Wohnungen aus nur beschwerlich über das Kellergeschoss erreichbar war, wurde er als Wohnhof zum Mittelpunkt des Siedlungslebens.

Bebauung rund um den Haardtwaldplatz

Die Umrisse des Haardtwaldplatzes waren bei Baubeginn der Siedlung Bruchfeldstraße vorgegeben. Der weite Platz war schon seit 1924 Endpunkt der Straßenbahnlinie und somit Verkehrsknotenpunkt, im Norden begrenzt durch die Umfassungsmauer des ehemaligen Alten Friedhofs von Niederrad. Ernst May und seine Mitarbeiter setzten mit ihrer Bebauung aus kubischen Flachdachbauten mit flächig ausgeprägten Fassaden einen architektonischen Kontrast zur älteren Blockrandbebauung mit Walmdach an der Ostseite. Der Haardtwaldplatz ist ein seltenes Beispiel des Neuen Frankfurt für die Gestaltung eines städtischen Raumes. Turmartige Gebäude sollten die Ecken des Platzes markieren. Neben dem realisierten Eckgebäude Hardtwaldstraße 2, war ein ähnlicher Turmbau an der Schule Ecke Kalmitstraße/ Trifelsstraße geplant. Beachtenswert ist das Erkerfenster im ausgeführten Eckgebäude. Dahinter verbirgt sich ein 2-geschossiger Galerieraum, zu Mays Zeiten das Arbeitsstudio des damaligen Frankfurter Musikdirektors, das von dem Architekt Ferdinand Kramer eingerichtet worden war. Im vorgezogenen Flachbau des Nebengebäudes ist bis heute eine Zweigstelle der Stadtbücherei untergebracht. Im übrigen wurden an dieser Stelle des Platzes, nahe der Straßenbahnhaltestelle, im Erdgeschossbereich der May-Bauten gezielt Flächen für gewerbliche Nutzung vorgehalten.

Einfamilienhäuser an der Donnersbergstrasse

Im westlichen Teil des Baugebietes konnten von Ernst May 49 Einfamilienhäuser in Form von 3-geschossigen Reihenhäusern (5 Zimmer, 107 m2 Wohnfläche), mit teils großen Gärten auf der Rückseite, realisiert werden. Durch die torartige Überbauung der Zufahrtsstraße an der Kalmitstraße und die leichte Krümmung des Straßenverlaufs entstand ein ruhiger abgeschiedener Wohnbereich. Wo heute ein Parkierungsstreifen verläuft war als optische Trennung zwischen Straße und Vorgartenzone eine Baumreihe gepflanzt. Typisch für die Maysiedlungen sind auch hier die gruppierten Hauseingänge, die bei dieser Bebauung durch halbrunde abgeschirmte Podeste architektonisch gestaltet sind. Es gibt rein formalästhetisch eingesetzte gestalterische Elemente, wie Betonung von Eckbebauung und Verwendung von Balkonen an gestalterisch wirksamen Punkten. Heute befindet sich ein Teil der Häuser in Privatbesitz.


  zurück  |  © 2005 für alle Abbildungen: ernst-may-gesellschaft e.v. Frankfurt am Main, Text: Brigitte
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Vortrag von Wolfgang Pehnt
Der Neue Mensch und der Alte Adam
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Begrüßungsrede zur Eröffnung des ernst-may-hauses von Dr. Eckhard Herrel, 27.7.2010 [PDF]
Begrüßung zur Weinstockpflanzung von Dr. Eckhard Herrel am 24.04.2010 [PDF]
Denkmalpflege & Kulturgeschichte, 4-2010, Ein Musterhaus des Neuen Frankfurt, Eckhard Herrel [PDF]
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